30. September 2015

Demenz: Gutes Hören kann Beginn verzögern

(EUHA/Mainz, 30. September 2015) Sie lösen jedes Kreuzworträtsel, spielen Sudoko, machen Gehirnjogging und lernen die Handynummern von Freunden und Familienmitgliedern auswendig. Die Rede ist von Menschen, die sich aktiv mit dem Thema Demenz auseinander setzen und durch tägliches Training einen Beitrag dazu leisten möchten, ihr persönliches Demenz-Risiko zu verringern.

Laut Bundesministerium für Gesundheit sind derzeit bis zu 1,6 Mio. Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt. Die Tendenz ist steigend. Schätzungen zu Folge werden im Jahr 2050 etwa drei Millionen Menschen an Demenz erkrankt sein.

Aktuelle Studien des Forscherteams von Frank Lin vom Johns Hopkins Center on Aging and Health in Baltimore/USA zeigen, dass eine unbehandelte Altersschwer-hörigkeit das Risiko von Altersdemenz und Altersdepression erhöhen kann. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Menschen, die gut hören, ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, senken können.

Hörsysteme helfen

Ganz konkret kann also der Gang zum Hörgeräteakustiker eine Möglichkeit sein, den Beginn von Demenz zu verzögern. Martin Blecker, Präsident der Europäischen Union der Hörgeräteakustiker e. V., rät: „Ein Hör-Check, einmal im Jahr, ab dem 60. Lebensjahr, bringt Gewissheit über den Hörstatus. Wird dabei ein Hörverlust festgestellt, so sollte die Versorgung möglichst frühzeitig beginnen, damit das Ge-hirn die Informationen verarbeiten kann und nicht verlernt, mit den Sinnesreizen umzugehen. Hörverluste können mit einer Hörgeräteversorgung, die auf den per-sönlichen Hörverlust ausgerichtet ist, ausgeglichen werden.“

Teufelskreis durchbrechen

Durch einen meist schleichend voranschreitenden Hörverlust verlernt das Gehirn, die akustischen Informationen, die über das Ohr ans Gehirn geleitet werden, richtig zu verarbeiten. Töne, Worte, Klänge und Emotionen werden nicht mehr entschlüsselt. Infolge dessen wird der Mensch unsicher, zieht sich zurück und kann in eine soziale Isolation geraten. Durch diesen Rückzug ist das Gehirn weniger Reizen ausgesetzt. Das kann zu einem erhöhten Demenzrisiko und zu Einschränkungen in der geistigen Leistungsfähigkeit führen. Menschen, die schlecht hören, sind auch in ihrer räumlichen Wahrnehmung eingeschränkt. Dies führt ebenfalls zu Unsicherheit und kann sich auf die Bewegungsabläufe auswirken. Ein Hörsystem kann dafür sorgen, diesen Teufelskreis aus Hörverlust, Isolation und Demenz zu durchbrechen. Durch eine bedarfsgerechte Hörgeräteversorgung steigt die Lebensqualität und die soziale Integration kann wieder gelingen!

Die Europäische Union der Hörgeräteakustiker e. V. setzt sich für die Fort- und Weiterbildung von Hörgeräteakustikern ein und verfolgt damit das Ziel der bestmöglichen Rehabilitation von Menschen mit einer Hörminderung. In diesem Jahr findet der Internationale Hörgeräteakustiker-Kongress zum 60. Mal statt. Eine Zahl, die zeigt, wie wichtig es ist, die Qualität der Arbeit des Hörgeräteakustikers zu sichern und damit die fachgerechte Versorgung des Einzelnen zu gewährleisten.


Quellen:
Wegweiser Demenz – wissenschaftliche Studien, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
www.bmg.bund.de/themen/pflege/demenz/infos-zu-den-krankheiten.html
www.kompetenznetz-demenzen.de/betroffene/wissenswertes/
Baltimore Longitudinal Study of Aging, National Institute of Aging, Baltimore (USA)
www.abendblatt.de/ratgeber/article113053914/Hohes-Demenz-Risiko-durch-Schwerhoerigkeit.html


Gutes Hören gibt Sicherheit und kann den Beginn von Demenz verzögern - Foto: BillionPhotos.com/fotolia.comBildunterschrift: Gutes Hören gibt Sicherheit und kann den Beginn von Demenz verzögern.

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