53. Internationaler Hörgeräteakustiker-Kongress 2008

Hören verstehen: der EUHA-Kongress 2008

Über 2000 Teilnehmer pro Tag, 22 bestens besuchte Fachvorträge und über 100 Ausstellerfirmen, an deren Ständen ein permanent hoher Andrang herrschte: mit dieser Bilanz ging am 17. Oktober der 53. Internationale Hörgeräteakustiker-Kongress in Leipzig erfolgreich zu Ende. Auch die Presse war dabei.

Drei Tage lang nahmen vorwiegend Hörgeräteakustiker die Gelegenheit zur Fortbildung wahr. Zudem informierten sie sich auf der begleitenden Fachausstellung über die Innovationen der Firmen, die Hörsysteme herstellen. Mit von der Partie: über 60 Journalisten. Die meisten von ihnen reisten am ersten Kongresstag an. Denn an ihm war nicht nur ein Pressecenter eingerichtet, sondern es wurde auch ein Spezialprogramm für Medienvertreter angeboten.

Industrie-News

Während einer Messeführung stellten fünf Herstellerfirmen ihre diesjährigen Produkt-Highlights vor. Die in modernen Hörsystemen befindliche Hochtechnologie wird immer weiter perfektioniert, damit das Hören immer höhere Qualitäten erreicht. So sorgt ein neues HdO-System der Firma Widex erstmals über einen 2-Wege-Hörer für HiFi-Qualität beim Hören und lässt einen naturnahen Klang entstehen. Mit einer besonderen Multiprogrammautomatik und großen Fortschritten beim Rückkopplungsmanagement besticht ein Gerät von Phonak. Eine weitere Neuentwicklung: Bisher gab es entweder Hinter-dem-Ohr- (HdO) oder Im-Ohr-Geräte (IdO), nun gibt es die Vorteile beider Systeme in einem Gerät (IOT) der Firma ReSound. Das aktuellste Design-Hörsystem stellte die Firma Starkey vor; es ist speziell für einen modernen, aktiven Lebensstil konzipiert. Auch Im-Ohr-Systeme werden weiterentwickelt: Audio-Service stellte das neueste Im-Ohr-Hörsystem vor, kabellose Multimedia-Anbindung und Musikhören in HiFi-Qualität inklusive.

Hörhilfen: Wie sie wurden, was sie sind

Die neuesten Produkte der 14 bedeutendsten deutschen Hersteller präsentierten sich in einer besonderen Ausstellung. Auf weißen Stelen und von formschönen Displays umspielt, wurden die Produkte auch im buchstäblichen Sinn ins rechte Licht gerückt. Und da Hörhilfen keine Erfindung des 20. Jahrhunderts sind, konnte man in dieser Ausstellung auch Hörfächer, Hörrohre, Hörschläuche, Hörstöcke und einiges mehr bewundern. Holger Scharnberg, ein privater Sammler, beglückte das Publikum mit unterhaltsamen Geschichten und kulturhistorisch interessanten Kurz-Exkursen zu seinen Exponaten. Die Hörgeräteakustiker Albert Moll und Jan-Hinnerk Matthies konnten insbesondere die elektrischen und elektronischen Hörhilfen aus dem 20. Jahrhundert erklären; sie stammten aus dem Bestand der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck.

Erfahrungen und Tipps eines Betroffenen: Gerhard Wissler

Am Nachmittag las Gerhard Wissler – früher Bank-Manager, heute Wirtschaftsmediator und Manager-Coach – aus seinem im April diesen Jahres erschienenen Buch Wenn die Ohren müde werden.
In der anschließenden Talkrunde erfuhren die Hörer Aufschlussreiches über die persönlichen Erfahrungen Wisslers mit Hörschwäche und Hörgeräteversorgung. EUHA-Vorsitzender Martin Blecker war der zweite Gesprächsgast und vertiefte diese Erfahrungen aus Expertensicht.

„Festzustellen, dass ich nicht mehr so gut höre, kratzte an meinem Selbstbewusstsein, genauso wie die Vorstellung, Hörsysteme tragen zu müssen“, berichtete Wissler. Es sei ein längerer Prozess gewesen, bis er seine Minderhörigkeit und auch die Notwendigkeit einer Versorgung habe akzeptieren können. Wie er heute zu seinen Hörsystemen stehe, fragte die Moderatorin. „Heute empfinde ich die Hörgeräte als eine Hilfe – und wie es ist mit Hilfen, die man bekommt, so ist es auch mit dieser: Ich bin den beiden kleinen Teilen hinter meinen Ohren sehr, sehr dankbar“, so der Hamburger Autor. Und fügt hinzu: „Meinem Akustiker übrigens nicht weniger!“