EUHA stiftet Gehörschutz für 5.000 närrische Ohren

Die Europäische Union der Hörgeräteakustiker e. V. sorgt dafür, dass mehr als 5.000 Ohren sicher durch die Mainzer Fastnacht kommen. Am 30. Januar 2017 übergab EUHA-Geschäftsführerin Patrizia Lawall, pünktlich um 11:11 Uhr, 20 Kartons mit knallgrünem Gehörschutz an den Mainzer Carnevalverein Eiskalte Brüder Gonsenheim 1893 e. V. Die bunten Ohrstöpsel werden beim Mainzer Rosenmontagszug mit einem kräftigen „Helau“ an die Narren verteilt.

„Uns ist es wichtig, dass gefeiert werden kann und dass das Gehör dabei unbeschadet bleibt. Die fünfte Jahreszeit ist gerade hier in Mainz etwas ganz Besonderes. Wir als fachwissenschaftliche Organisation der Hörgeräteakustiker, mit Sitz in Mainz, wollen mit der Spende bewusst ein Zeichen für den Erhalt guten Hörens setzen. Unser Wunsch ist, dass sich alle Narren mit Gehörschutz ausrüsten“, lautet Patrizia Lawalls Botschaft.

Ideal wäre es, wenn das Beispiel der Mainzer Schule macht und jeder Karnevalist, der mit Tröte, Narrenkappe und Kostüm loszieht, Gehörschutz für die Ohren dabei hat. Helau!

EUHA stiftet Gehörschutz - Foto: EUHA/PicturePeopleEUHA stiftet Gehörschutz - Foto: EUHA/PicturePeople

EUHA-Geschäftsführerin Patrizia Lawall überreicht 2.500 Paar Gehörschutz an „Obermessdiener“ Andreas Schmitt vom Mainzer Carnevalverein Eiskalte Brüder Gonsenheim 1893 e. V.

Bildquelle: EUHA/PicturePeople


Hilfe für kleine Ohren

Das Projekt „Hilfe für kleine Ohren“ wird seit 2009 im Auftrag der Stiftung der Deutschen Lions von einem inzwischen neunköpfigen Team aus dem Lions Club Kelkheim umgesetzt. Zu deren wichtigsten Tätigkeiten gehören das Sammeln, Sortieren, Lagern und Verteilen der Hörgeräte an gemeinnützige Organisationen, wie z. B. Krankenhäuser und Schulen hauptsächlich in Übersee. Die wichtigste Zielgruppe sind Kinder mit Hörverlust aus mittellosen Familien.

Um geeignete lokale Partner zu finden, hat das Team gemeinsam mit der EUHA einen Fragebogen entwickelt, mit dessen Hilfe jede Institution überprüft werden kann. Erst wenn die EUHA zustimmt, beginnt der Versand der Hörgeräte. Durch eine regelmäßige und einheitliche Berichterstattung wird überprüft, ob die vereinbarten Qualitätsstandards bei der Versorgung und der Nachhaltigkeit der Betreuung insgesamt eingehalten werden.

Das Projekt hat sich insgesamt sehr positiv entwickelt. In 2019 wurden 7.000 Hörgeräte an 13 der 16 Partner versandt. Das ist ein neuer Rekord und bedeutet eine Steigerung von ca. 30 % gegenüber Vorjahr. Insgesamt sind seit 2010 ca. 38.000 Hörgeräte verteilt worden. Dieses Ergebnis wurde dadurch ermöglicht, dass Lions Clubs, Hörakustiker, Privatpersonen und Hersteller von Hörgeräten das Projekt immer mehr unterstützen.

Ein wichtiger Schritt in die Zukunft war der Abschluss eines Vertrages mit einem großen Hersteller von Hörgeräten in 2019, der eine Spende von jährlich mindestens 600 hochverstärkenden neuen Hörgeräten zugesichert hat, die ja besonders für Kinder mit Hörverlust geeignet sind.

Kambodscha 1Allgemein kann man über die Jahre eine sehr positive Entwicklung bei fast allen Partnern des Teams feststellen. Die Kompetenzen und Fähigkeiten werden weiterentwickelt, die Anzahl der angepassten Hörgeräte steigt. Einige wollen ihre Leistungen weiter ausbauen und auch in entlegenen Landesteilen durch Niederlassungen oder mit bestimmten Aktionen sich um die Versorgung hörgeschädigter Kinder und Erwachsener kümmern (Clinical Outreach). Dazu gehören die Partner z. B. in Kambodscha und Guatemala. Dazu bedarf es einer noch größeren Anzahl an hochverstärkenden Hörgeräten und auch an einer deutlich besseren Ausstattung mit Geräten, wie z. B. modernere Audiometer, Tympanometer, ABR/OAE Screening-Geräte, REM Verifikationssysteme usw.

Für 2020 besteht daher eines der Ziele des Teams „Hilfe für kleine Ohren“ darin, die Ausstattung speziell für hörgeschädigte Klein- und Kleinstkinder auf einen technischen Stand zu bringen, der die exakte, fachgerechte Anpassung der Hörgeräte bei dieser Patientengruppe gewährleistet. Der Anfang wurde bereits gemacht und drei tragbare Screening-Geräte für frühzeitige Höruntersuchungen bei Neugeborenen bestellt. Für weitere solche Anschaffungen ist das Team auf finanzielle Spenden angewiesen, aber auch von guten gebrauchten Geräten zur Verbesserung der Diagnose und der Anpassung von Hörgeräten, insbesondere für Neugeborene und Kleinkinder.

Einige Partner wollen sich um Patienten in entlegenen und daher oft medizinisch schlecht versorgten Landesteile kümmern. Dazu ein Beispiel aus Sambia, einem der ärmsten Länder der Welt:

Dr Phiri 2Partner des Teams in diesem Land ist die in der Hauptstadt Lusaka ansässige wohltätige Organisation „Upper Hill Trust“, die kürzlich von der EUHA zertifiziert wurde. Sie wird von dem HNO-Arzt Dr. Harrison Phiri geleitet. Deren Motto lautet: „Changing the world for the better through health missions“. Das Ziel dieser Organisation ist die gesundheitliche Vorsorge und die Behandlung z. B. von Bluthochdruck, Diabetes, Krebs und insbesondere von Schädigungen des Gehörs bei einkommensschwachen Menschen, die in entlegenen Landesteilen leben.

In einem Dorf im Nordwesten des Landes, ca. 1200 km bzw. 15-20 Autostunden von Lusaka entfernt, wurde von „Upper Hill Trust“ im Dezember 2019 ein mehrtätiges Gesundheits-Camp abgehalten. Ein Team unter Leitung von Dr. Phiri, bestehend aus einem Allgemeinmediziner, einem Akustiker und weiteren medizinischen Fachleuten, reisten an.

Intensive Diagnosen zu Hörschäden wurden vorgenommen und unterschiedliche Therapien angewendet, einschließlich der Anpassung von Hörgeräten, die vom Team „Hilfe für kleine Ohren“ kamen. Außerdem sind Präventionsmaßnahmen bezüglich Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und insbesondere Gebärmutterhalskrebs – den wesentlichen Todesursachen in Sambia – erläutert worden.

273 Patienten aller Altersklassen mit Hörschäden wurden behandelt und 62 Patienten, die unter anderen Krankheiten litten. Das kleine Team war während des Aufenthalts nicht in der Lage, alle Patienten zu behandeln, was naturgemäß zu Frustrationen führte. Dabei war die zeitaufwändige Behandlung von Hörschäden die größte Herausforderung.

Das Team will in Zukunft dieses Dorf regelmäßig besuchen, um ein Follow-up durchzuführen und weitere Patienten zu behandeln. Auch die lokalen Mitarbeiter in der dörflichen Krankenstation sollen geschult werden.

Auch in anderen abgelegenen Gegenden des Landes sind solche Camps geplant. Ein grundsätzliches Problem und letztlich ein limitierender Faktor ist der Mangel an Akustikern im Land. Das kann nur durch  langfristig angelegte Ausbildungsmaßnahmen gelöst werden.

Das Team “Hilfe für kleine Ohren“ berichtet immer wieder über seine Aktivitäten. Dazu erscheint jährlich ein Newsletter in Deutsch und Englisch, der an die Partner und Spender weltweit versandt wird. In Fachzeitschriften werden immer wieder Artikel veröffentlicht.

 

Dr. Peter Ottiger, 30.März 2020

 

© Hilfe für kleine Ohren, Stiftung der Deutschen Lions


HkO Partnerorganisationen 191216


Liste der HkO-Partnerorganisationen
Stand: 30.03.2020

Land Name der Organisation
Bolivien "Human Right" Cochabamba
Bolivien Hospital Arco Iris, La Paz
Bolivien Centro Altiora Cochabamba
Botswana Bamalete Lutheran Hospital, Ramotswa
Cambodia All Ears Cambodia
DR Kongo / Uganda CERBC - CENTRE D’EDUCATION ET DE REHABILITATION A BASE COMMUNAUTAIRE
Dominik. Republik Instituto de Ayuda Al Sordo
Guatemala Fundacion Sonrisas que Escuchan - cedaf
Mexiko Salud Auditiva
Peru Cajamarca Asociacion Dorotea
Peru CPAL - Centro Peruano de Audición Lenguaje y Aprendizaje
Sri Lanka Anuradhapura Minikrankenhaus / Hörzentrum Anuradhapura
Ukraine / Weißrussland Tschernobyl Hilfe
Ukraine Ukrainian Society of the Deaf - UTOG
Vietnam CED - Center for Research and Education of the Deaf and Hard of Hearing
Zambia Upper Hill Trust

 

Weitere Informationen zur Aktion finden Sie unter: http://www.lions-hilfswerk.de/nationale-und-internationale-hilfsprojekte/hilfe-fuer-kleine-ohren.html

Fotos: Copyrights CBM / HDL